Dunkel Dreckig

Reudnitz

Der etwas andere Stadtteilblog.

30 Tage Fleisch

Die Leipziger wurden dazu aufgerufen, sich den ganzen Mai vegan zu ernähren. Dieses Experiment sollte mehr Bewusstsein über die eigene Ernährung schaffen. Aus Lust an der Provokation habe ich mir selbst 30 Tage Fleisch auferlegt. Dabei habe auch ich erstaunliches über meine Ernährung erfahren.




Die Aktion 30 Tage vegan kam zumindest in den Lokalmedien gut an. Bei der LVZ und Leipzig Fernsehen wurden die Selbstversuche unterhaltsam protokoliert. Annabelle hat sich für die light Variante entschieden und 30 Tage vegetarisch daraus gemacht.
Da es eine komplett freiwillige Aktion war, gab es auch nicht so ein Zeter und Mordio wie beim Veggie Day (Was? Einen Tag in der Woche kein Fleisch in der Kantine? Ökofaschismus!). Ich habe trotzdem nicht mitgemacht.
Lustigerweise wurde meine Freundin gefragt, ob 30 Tage vegan auch auf meinem Mist gewachsen ist. Hat man einmal den Ruf als linksfaschistischer Gutmensch weg ... Ich schweife ab.
Fleisch! Ich habe, jeden Tag im Mai, Fleisch gegessen. Natürlich nicht nur Fleisch. Es war nicht so, dass ich zum Mettbrötchen, statt Eiscreme, gegriffen habe, um mich abzukühlen. Leberwurst statt Nutella war auch nicht meine Maxime. Ich habe einfach nur mindestens einmal am Tag ein bisschen Fleisch gegessen. Das war nicht so einfach, wie ich eigentlich dachte. Offenbar ernähre ich mich viel öfter vegetarisch, als ich auf dem Schirm hatte.
Es liegt wohl vor allem daran, dass ich voll auf Süßkram stehe. Eine Apfeltasche kommt für gewöhnlich ganz gut ohne Hackfleisch aus. Deshalb kam ich oft in die Situation, meine Rezepte abwandeln zu müssen. Schnell noch ein paar Schinkenwürfel an die Spaghetti, statt einer einfachen Tomatensugo. Nur um meine 30 Tage Diät einzuhalten.

Wurst ist mein Gemüse
Das klingt jetzt ein wenig nach Krampf, aber es waren in Wirklichkeit 30 Tage Genuss. In der Substanz hatte ich einen Hamburger, der so groß war wie mein Kopf. Beim Vietnamesen gab es knochenlose Hühnerflügel mit Hackfleischfüllung. Halbe Enten, Rumpsteak und Lammkoteletts. Lecker! Außerdem Bacon. Sehr viel Bacon. Was Bacon angeht, verstehe ich Juden und Moslems nicht. Wie kann man Gott lobpreisen, wenn man seine köstlichste Schöpfung verschmäht?

Wie ihr seht, habe ich mir alle Mühe gegeben, all das Fleisch zu essen, welches von den 30 Tage Veganern übrig geblieben ist. Das ist übrigens die größte Schwäche des Projekts. Wenn alle Teilnehmer nach den 30 Tagen wieder zu ihren alten Essgewohnheiten zurückkehren, ändert sich nichts. Es wandert in der Zwischenzeit nur etwas mehr Fleisch in den Müll (oder im Besten Fall zur Tafel). Es bleibt nur ein gesteigertes Bewusstsein über die eigene Ernährung übrig. Vielleicht sorgt das für einen anderen Konsum. Dann ändert sich möglicherweise doch etwas.

Li-i-i-i-i-i-sa, wa-a-a-arum isst du mich nicht? Bi-i-i-in ich ga-a-a-a-anz umsonst gesto-o-o-o-orben?


Nachtrag: Für das Tafelwerk im Lene-Voigt-Park habe ich übrigens auch vegan gekocht. Dabei musste ich schockiert feststellen, dass kaum eine Margarine vegan ist. Da ist fast überall Molke dran. Vegan leben ist verdammt aufwendig.

Jetzt erstmal einen schönen Salat essen.





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Hi, ich bin Martin von Dunkel. Dreckig. Reudnitz. Seit ein paar Jahren lebe ich schon in diesem ganz besonderen Stadtteil. Warum also nicht darüber schreiben?

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2 Kommentare:

  1. Vegan. Da schneidest Du ein hema na. Es regt mich höllisch auf. Eigentlich habe ich nichts dagegen, wenn Menschen sich vegan ernähren. Ich deute dann nur gern die Probleme in der Landwirtschaft an, die entstehen würden, würden sich alle Menschen vegan ernähren.
    Was mir aber völlig gegen den Strich geht, ist dieser missionarische Eifer. Das erinnrt stark an die Antirauchampagnen. Irgendwann werden wir uns dafür schämen müssen, Fleisch zu esse. Oder Wurst oder Käse. Und für die übrigen wird die Wissenschaft schon was finde, um z.B. das B12- Problem zu klären. Wofür zahlen wir Steuern?
    Ich finde es merkwürdig, wie Veganismus medial gehypt wird. Und verantwortungslos, weil einseitig betrachtet. Gleichzeitig wird (medial) Front gemacht gegen Biobauern. Es ist ja richtig, "ökologische" Massenproduktion als das zu zeigen, was es ist: Fake. Aber mir fehlt da immer der klitzekleine Hinweis darauf, dass es durchaus streng kontrollierte Bioverbände gibt, auf die man sich verlassen, die man aber nicht im Supermarkt kaufen kann. Dafür ist dann immer ein Experte da, der erklärt, dass die ökologische den Lebensmittelbedarf der Weltbevölkerung nicht decken kann. Stattdessen dann Werbung für den Veganismus.
    Ich bin Bauer. Mit Diplom, aber Bauer. Und ich frage mich, wie soll das gehen, mit "Alle sind Veganer"? Wo kommt der Dünger her? Chemie? Chemie für all die Monokulturen, die die Böden vernichten und die Artenvielfalt, nicht nur die in der Flora? Und denken Veganer (und übrigens auch Vegetrarier) darüber nach, unter welchen Bedingungen und für welchen Preis ihr Soja "produziert" wird? Und was kann gut daran sein, wenn Lebensmittel um die halbe Welt gekarrt werden?
    Ich reg mich auf. Ich reg mich furchtbar auf.
    (Und ich schreibe das am Laptop, was unweigerlich zu Tippfehlern führt. Und wenn sich jetzt irgend so ein Missionar über meine Rechtschreibfehler aufregt und mir deswegen jedes echt auf Meinung abspricht, platze ich)

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  2. Die Richtige Ernährung ist für uns Menschen wirklich sehr wichtig, auch Fleisch ist etwas das der Körper braucht allein den Eisengehalt der in Fleisch ist, ist sehr wichtig. Bei uns gibt es auch viele Informationen über die Ernährung und Fitness mit Bauchmuskeltraining

    Grüße
    das McFitness Team

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